Bericht über den LinuxDayAT 2023 in Dornbirn

Posted by Unterwegs mit Pascal on Monday, 2023-10-09
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Was ist der Linuxtag

Die Linux-Tage sind Konferenzen auf der ganzen Welt, die sich mit dem Thema Linux und Open-Source (auf deutsch: freie Software) beschäftigen. “Der GNU/LinuxDay in Vorarlberg” fand 2023 das 25. mal in Dornbirn statt. Es ist die größte Veranstaltung dieser Art in der Vierländer-Region. 1999 erstmals nur als Installationsparty für das damals relativ neue “Linux” gedacht, ist der Linuxtag heute eine reguläre Konferenz. Diese wird nicht mehr nur von Geeks besucht, sondern auch von privaten Anwendern und Mitarbeitern von Unternehmen, die sich mit Linux und Open Source beschäftigen.

Plakat vor der Hochschule
Plakat vor der Hochschule

Wo liegt Dornbirn

Dornbirn liegt im österreichischen Vorarlberg, in der Nähe des Bodensees und damit in der Vierländerregion (Österreich, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein). Sie ist mit rund 49.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt Vorarlbergs. Innerhalb der umliegenden Berge befindet sich die Rappenlochschlucht, ein bekanntes Ausflugsziel. Durch die Schlucht und die Stadt fließt der Dornbirner Ach.

Die Konferenz fand in der HTL Dornbirn (Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt) statt.

Die Vorträge

Es gab gleich drei parallele Vorträge gleichzeitig, weshalb ich nicht in jedem Vortrag gehen konnte. Dafür habe ich mir die für mich interessantesten herausgesucht.

“Hello World” Quiz

Den Anfang des Tages hat Harald König gestaltet, welcher die Besucher mit einem kleinen Quiz über Programmiersprachen begrüßt hat. Für manche der Sprachen muss man schon länger “in der Materie” sein, bei anderen waren die Beispiele leicht zu verstehen. Mein Name (die Sprache Pascal) war natürlich auch Programm! Es waren aber auch so abgefahrene Sprachen wie “Whitespace” oder “Basic” dabei. Insgesamt sehr lustig gestaltet.

Scratch - die einfache Programmierumgebung für Kinder und Jugendliche

Ich habe auch einen Vortrag gehalten, über die Programmierumgebung Scratch. Das ist eine grafische Oberfläche, die es Anfängern erlaubt, Programmabläufe zusammenzustellen und diese im Browser zu visualisieren. Dazu gibt es auch Integrationen zum Beispiel für LEGO oder Midi Audiogeräte. Der Calliope Mini verwendet ebenfalls Scratch für die Programmierung. Im Vortrag habe ich die Geschichte und Grundlagen von Scratch erklärt und dann an einem Beispiel die Funktionen der einzelnen Elemente erklärt.

Selfie beim Vortrag
Selfie beim Vortrag

Am Ende gab es für jeden Vortragenden ein UNO-Kartenspiel mit Tux drauf. Sieht cool aus!

UNO-Kartenspiel, bewacht von Slonik
UNO-Kartenspiel, bewacht von Slonik

Erfahrungen aus Interviews mit der PostgreSQL-Community

Andreas Scherbaum führt Interviews mit Mitgliedern der PostgreSQL Community. Daraus ergeben sich viele interessante Details über die dieser Vortrag berichtet. Was es mit dem Projektnamen auf sich hat, ist das “PostgreSQL” oder “Postgres”. Was sind beliebte Freizeitaktivitäten, wie fängt man am besten als Entwickler an, wenn man einen Patch einreichen möchte, oder auch so Details wie die Herkunft der Community Mitglieder.

Andreas beim Vortrag
Andreas beim Vortrag

Was ich immer schon über Wärmepumpen, PV-Anlagen und Heimautomatisierung wissen wollte

Florian Haas hat in seinem Haus eine Wärmepumpe eingebaut und eine PV-Anlage auf das Dach gestellt. Zusätzlich speichert eine Batterie einen Teil der erzeugten Energie. Des Weiteren hat er Messgeräte an größeren Verbrauchern im Haus angeschlossen und speichert all dies in Home Assist (HA). Der Vortrag berichtet davon, wie er dabei vorgegangen ist, was er dabei gelernt hat, zählt gesetzliche Hürden (in Österreich) auf und zeigt anhand von Beispielen und Grafiken in HA, wie man den Verbrauch messen und gezielt steuern kann. Das große Highlight war die Hilfe von seinem Nachwuchs, der uns sehr gut die Wärmepumpe sowie die Batterie erklärt hat!

Bildungssysteme nachhaltig digitalisieren

Die drei Lehrer Andreas Grupp, Andreas B. Mundt und Frank Schiebel aus Baden-Württemberg berichten, wie sie die Schulen am Anfang der Covid-19 Pandemie digital und online gebracht haben. Plötzlich gab es Moodle-Lernplattformen und BigBlueButton-Videokonferenzsysteme für alle Schulen im Land.

Der Vortrag zeigt aber auch, dass es dabei viele Probleme gab und teilweise heute noch gibt. Nicht nur auf technischer Ebene, sondern auch beim Datenschutz und der Bereitstellung von Ressourcen.

Zitat Mama (ausgebildete Erzieherin): “Alle Bundesländer fahren ihr eigenes Ding, Corona hat das besonders gezeigt.”

Den Vortrag hatte ich schon einmal auf den Linux-Tagen in Chemnitz gesehen, dort aber unmittelbar vor meinem eigenen Vortrag. War da dann doch etwas nervös und hatte nicht alles mitbekommen, daher war hier die Auffrischung sehr hilfreich.

IT-Fails 2023: Es ist zum Weinen

Martin Leyrer berichtet auf sehr humorvolle und sarkastische Weise über diverse IT-Fails in Österreich. So ist zum Beispiel für viele Firmen die DSGVO immer noch Neuland - oh, Tschuldigung, das wäre Deutschland. Also, die DSGVO ist immer noch nicht angekommen, selbst 7 Jahre nach der Verabschiedung. Um da Abhilfe zu schaffen, hat man in Österreich nun die “Digitale Kompetenzoffensive” (DKO) gestartet - und hält dafür besonders viele Tablets mit dem Logo der Initiative in die Kameras der Reporter. Leider schaffen es die Hochschulen aber nicht, die Berufe mit Fachkräftemangel verstärkt auszubilden. Und das Foto für die Initiative um Seniorinnen “mitzunehmen” und online zu bringen wurde in einem Museum vor Rechnern aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgenommen. Nennt man das dann “zielgruppengerecht”?

Der “digitale Führerschein” ist auch so eine Leidensgeschichte. Entwickelt seit 2016, braucht es dafür die App “eAusweise”, die man mittels der App “Digitales Amt” aktivieren kann. Leider ist der digitale Führerschein aber auch nur in Österreich anerkannt, ansonsten braucht man weiterhin die offline Version in Form einer Karte. Oh, und das “Digitale Amt” ist immer noch in der Pilotphase.

Martin hat noch von weiteren Fails berichtet, schaut euch seine verlinkten Slides an. Fand den Vortrag sehr witzig, weil er doch zeigt, dass nicht nur Deutschland mit IT-Projekten zu kämpfen hat die völlig überzogen und überteuert sind.

Die Open-Source Projekte

Neben den Vorträgen waren natürlich auch viele Projekte mit einem Stand vertreten. Wir sind in den Pausen zwischen den Vorträgen herumgegangen und haben uns alles angeschaut.

So waren diverse Linux-Distributionen vertreten, wir haben uns Debian und Fedora angeschaut. Der Veranstalter hat außerdem etwas seitlich von zwei Tischen mit 4 Rechnern aufgebaut, auf denen verschiedene Distributionen installiert waren und ausprobiert werden konnten. Dort waren openSUSE, manjaro, linuxMint und noch eine Distribution an die ich mich aber leider nicht mehr erinnere.

Im Ausstellerbereich waren auch diverse Hackerspaces vertreten, habe “Ruum42” aus St. Gallen gesehen, den Linuxtreff Kreuzlingen, Toolbox Bodensee e.V., Spieleentwicklung Bodensee, die Bitwäscherei und ein Aussteller der eine Kamera auf seine H0 Modelleisenbahn gebaut und dieses Video dann gestreamt hat.

digitale LED Anzeige
digitale LED Anzeige

Die Free Software Foundation Europe (FSFE) war ebenso mit einem Stand vertreten wie das KDE Projekt, das noch dazu ein Steamdeck zum Ausprobieren mitgebracht hat. Wer es nicht wusste: Auf dem SteamDeck läuft ein Linux mit KDE als Oberfläche. Vielleicht darf ich mal auf dem Deck von Papa spielen.

SteamDeck mit KDE
SteamDeck mit KDE

Die Sponsoren

Zu einer Veranstaltung gehören auch Sponsoren. Das sind Firmen, die sich mit dem Thema identifizieren und in der Community präsent sein möchten.

Dazu gehören so bekannte Firmen wie Red Hat/IBM oder Tuxedo Computers (kenne ich, da meine Eltern ihre Laptops von dort haben), oder auch Open Source Experts. Es waren aber auch diverse Firmen aus Österreich und der näheren Umgebung vertreten. WolfVision zum Beispiel, oder DatenStrom als lokaler Anbieter von Cloud-Lösungen.

Die Kantine

Die Kantine hatte (für eine Schulkantine) sehr gutes Essen, allerdings keine Softdrinks o.ä., alles in allem hatten nur Wasser und ein paar Limonaden. Als ich von meinem Vortrag zurückkam und mir etwas zu Essen holen wollte, gab es keine Nudeln mehr. Das geht ja nun mal gar nicht! Aber insgesamt hatten sie doch eine grosse Auswahl.

Die Kantine
Die Kantine

Das Speakers-Dinner

Das Speakers Dinner war allen Vortragenden und deren Familie vorbehalten. Es fand am selben Abend wie die Konferenz im Gasthaus-Bierlokal in der Dornbirner Innenstadt statt. Was soll ich sagen, es gab typisch österreichische Käsespätzle mit Röstzwiebeln. Es war sehr lecker, als typischer Jugendlicher kann ich da nicht meckern. Nur das Eiscafe hatte danach leider schon geschlossen.

Käsespätzle mit Röstzwiebeln
Käsespätzle mit Röstzwiebeln

Fazit

Wir waren das erste Mal auf dem LinuxDayAT und es hat Spaß gemacht. Die Vorträge waren spannend, die Stände haben mir Neues vermittelt und interessante Sachen gezeigt. Ich habe nette Gespräche geführt, während ich die Details für diesen Bericht gesammelt habe. Und es hat mir geholfen, dass ich meinen Vortrag noch einmal vor Publikum halten durfte. Ein voller Raum mit anwesenden Kindern und Jugendlichen zeigt mir, dass ich ein spannendes Thema gewählt habe.


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